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Neue Kommunikationswege sind eine große Chance

Kirchengemeinden sollten mutiger werden - Oberkirchenrat regt zum Umdenken an

Die Kinder wollen an Heilig Abend einen Gottesdienst unbedingt besuchen. Der Vater – ein eher distanzierter Christ ohne Kontakt zu seiner Kirchengemeinde - sucht über sein Handy verzweifelt nach einer Kirche in der Nähe, die Anfangszeiten und die Anschrift für die Eingabe in sein Navi. "Erfolglos", berichtete Pfarrer Dr. Friedemann Kuttler aus Großbottwar auf einer Veranstaltung der Evangelischen Erwachsenenbildung nördlicher Schwarzwald in Wildberg. "Schließlich setzt er sich ins Auto und geht zu einer Apotheke. Dort hatte er einmal einen Flyer einer Kirchengemeinde gesehen. Die Apothekerin hilft ihm weiter."

"Keine ungewöhnliche Situation", findet Friedemann Kuttler, der zwei Jahre lang im Evangelischen Oberkirchenrat Stuttgart für strategische Planungen zuständig war. "Die Kirchen stehen in der großen Gefahr, wichtige Megatrends zu verschlafen und Menschen aus dem Blick zu verlieren. Was sind die Bedürfnisse der Menschen in unserem Ort? Gottesdienstzeiten und Angebote sollten vor dem Hintergrund sich verändernder Bedürfnissen ihrer Mitglieder hinterfragen lassen." Dabei ist der Erwartungsdruck auch aus der Wirtschaft nach kirchlicher Kompetenz und theologischer Urteilsfähigkeit enorm. In führenden Wirtschaftskreisen hat Friedemann Kuttler oft das Bedauern gehört, dass bei Entwicklungsprojekten ein Gegenüber fehlt, mit dem über ethische Fragestellungen diskutiert werden kann. Das betrifft nahezu alle Bereiche der "Künstlichen Intelligenz", des "Autonomen Fahrens" oder dem Einsatz von "Pflegerobotern". "Sie fordern die Kernkompetenz der Kirche ein, das Bewusstsein für die Verkündigung des Wortes Gottes zu schärfen." Innovative Ideen können auf erstaunlich fruchtbaren Boden fallen. 

Friedemann Kuttler empfiehlt den Kirchengemeinden vor allem offene Ohren und mehr Mut, neue Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen. Gottesdienste der Kirchengemeinde im Live-Stream oder zum Download für Pflegeheime vor Ort, Chatgruppen in der Adventszeit und den unterschiedlichen Milieus angepasste Begegnungsmöglichkeiten sind nur einige Anregungen, die Friedemann Kuttler den knapp fünfzig Interessierten im Evangelischen Gemeindezentrum ins Stammbuch schrieb.

Jetzt wird sich zumindest zeigen, ob in absehbarer Zukunft interessierte Personen in der Region auch online rechtzeitig den Weg zu ihrem Gottesdienst finden und nicht in einer Apotheke nachfragen müssen. 

 
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